Vorweggenommen: Ich bin selbst kein TGA-Planer. Weder in Planung noch in Ausführung habe ich Erfahrung sammeln dürfen, aber durch meine Tätigkeit als BIM-Manager in vielen hochinstallierten Gebäuden lerne ich immer wieder Neues dazu. Meine Sicht in Projekte ist also übergeordnet. Aber da ich selbst lange in der Fassadenplanung gearbeitet habe, versuche ich mich immer in die Planenden hineinzuversetzen und deren Herausforderungen zu verstehen. Ich hoffe, das spiegelt sich im nachfolgenden Beitrag wider.
Es ist immer wieder die TGA-Planung, die uns in BIM-Prozessen Sorgen bereitet. Bereits wenn ein Projekt startet, gehe ich häufig mit dem Gefühl in den BIM Kick-Off: „Hoffentlich ist die TGA-Planung halbwegs gut und liefert vernünftige Modelle“. So geistig vorbelastet in Projekte einzusteigen ist eigentlich eine Katastrophe. Warum denke ich das nicht zum Beispiel vom Tragwerksplaner? Liegt es an der Komplexität der Planungsinhalte, die mir im Hinterkopf Sorgen machen? Ist es ein Software-Thema? Sind die TGA-Experten und Expertinnen alle einfach unfähig…natürlich nicht. Wir haben sehr gute Planende und unsere technisch immer komplexer werdenden Gebäude funktionieren im Betrieb nicht nur zufällig.
Also was ist mein Problem? Es ist die planerische Sichtweise. Ein klassisches BIM-Modell ist objektorientiert aufgebaut. Es werden zuerst einmal Wände, Decken, Türen und Fenster modelliert, daraus ergeben sich Räume, die Objekte erhalten, nahezu unabhängig voneinander ihrer Eigenschaften und im Ganzen gesehen entsteht das fertige Gebäude. So ist auch das IFC-Schema aufgebaut und das funktioniert super, z.B. für Architektur und Tragwerksplanung.

Für die TGA-Planung ist das aber eine echte Hürde, denn die denkt und plant in Systemen mit ganzheitlichen Anforderungen, die sich auf die Eigenschaften von Komponentengruppen oder einzelner Systemkomponenten auswirken. Bei der TGA-Planung werden nicht erstmal Rohre, Heizkörper und Ventile einzeln modelliert und draus entstehen anschließend Systeme. Es ist genau andersherum: die haustechnischen und architektonischen Anforderungen werden in ein Systemkonzept übertragen, aus diesem ergeben sich Berechnung und Dimensionierung und erst am Ende stehen einzelne Komponenten fest.
Die BIM-Methodik und die TGA-Planung haben also zwei unterschiedliche Sichtweisen auf dieselbe Anlage.

Die Information, ob Objekte überhaupt zu einer Anlage gehören, lässt sich aus den modellierten Rohren, Ventilen und Heizkörpern auch erstmal gar nicht ableiten. In der TGA-Planung basiert alles auf einem Schema und ist damit verknüpft. Im Modell ist das aber oft nicht hinterlegt, nur durch zusätzliche Informationen kann abgeleitet werden, was zusammengehört. Während im TGA-Planungstool z.B. die Anlagennummer mit allen Komponenten der Anlage verknüpft ist, muss für das IFC-Modell eventuell an jeden Rohrbogen einzeln diese Nummer händisch ergänzt werden.

Mit diesem grundlegenden Verständnis der unterschiedlichen Sichtweisen wird dann auch klar, warum die TGA-Planung scheinbar immer „hinten dran“ ist, BIM-Prozesse in frühen Phasen „aufhält“ und immer schuld daran ist, dass DataDrops und Terminpläne nicht eingehalten werden. Das BIM-Management orientiert sich zu stark an der Objektplanung anstatt an der gesamtheitlichen Umsetzung aller Planungsinhalte.
Es macht keinen Sinn, eine vollständige Modellierung aller TGA-Komponenten mit geringem geometrischen Detaillierungsgrad bereits in der Leistungsphase 2 zu fordern, so wie man für die Objektplanung bereits alle Wände fordert. Zuerst einmal muss das Systemkonzept stehen, und das ist von Raumaufteilungen, haustechnischen Anforderungen und Gesamtkubatur abhängig. Mit einem anfänglichen Konzept können dann Platzhalter für Trassen, Schächte und Großgeräte bereitgestellt werden, damit die anderen Planungsbeteiligten dies als Basis für ihre eigene Planung nutzen können.
Erst mit der Festlegung der Systeme können Komponenten abgeleitet werden, nach dem Designfreeze können Berechnungen durchgeführt werden, die zur Dimensionierung von Rohr- und Kanalquerschnitten führen, mit denen dann eine Schlitz- und Durchbruchsplanung durchgeführt werden kann. Im Umkehrschluss heißt das also, dass das Fachmodell TGA immer auf den Schemata und Berechnungen basiert, damit aber auch ein nachlaufendes Abbild ist.
Natürlich lassen sich Leistungen der TGA-Planung vorziehen, damit BIM-Prozesse beschleunigt werden. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass frühzeitig der Gebäudeentwurf steht und dieser nicht mehr substantiell geändert wird.

Nach den mechanischen TGA-Gewerken wird es für die elektrischen Disziplinen noch komplexer – sie müssen nämlich auch noch die Anforderungen aus Heizung, Lüftung, Kälte und Sanitär berücksichtigen.
Die BIM-Methodik ist ein ständiger Lernprozess, und die individuellen Projektanforderungen machen es uns nicht immer leicht. Es hilft, die TGA-Planung frühzeitig in die Modellierung mit einzubinden – die geometrischen und alphanumerischen Modellinhalte müssen sich aber immer am Planungsfortschritt orientieren. Daher ist mein Plädoyer für die Zukunft, DataDrops und Modellmeilensteine nicht nur an den Zielen der Objektplanung, sondern an den Zielen und Aufgaben jeder Disziplin zu orientieren – und damit individuelle Fortschritte zu festen Terminen zu ermöglichen und daran den Planungsfortschritt zu bemessen. Wie erlebt ihr das in euren Projekten – hinkt die TGA-Planung bei euch auch scheinbar hinterher, oder habt ihr schon Wege gefunden, DataDrops disziplinspezifisch zu denken? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.